(c) Jasper Ehrich

“Kaum etwas kann uns so tiefgreifend verändern, wie eine gute Geschichte.“ (Erzählende Affen, Samira El Ouassil & Friedemann Karig)

Warum brauchen wir die PlanetNarratives? 

Die Klima- und Biodiversitätskrise ist real, sie ist bedrohlich, ihre Auswirkungen sind schon heute unübersehbar, und sie kann nur gemeinsam bewältigt werden. 

Das ist die Wirklichkeit – eine Wirklichkeit, die in den Geschichten, die wir als Filmschaffende erzählen, nicht vorkommt. Weder die verheerenden Unwetter, Überschwemmungen, Stürme, Dürre, Waldbrände werden miterzählt, noch zeigen wir die vertrockneten Gärten und die abgestorbenen Wälder. Wichtiger noch: Offenbar teilen die Figuren in den Geschichten die Sorgen nicht, die sich die Menschen außerhalb der Geschichten um die Zukunft machen.

A Glaring Absence, eine großangelegte Studie über die US-amerikanische Film- und Fernsehindustrie, kam zu folgenden, auf die deutsche Situation gut übertragbaren Ergebnissen:

  • Nur 2,8% aller Drehbücher enthalten einen Bezug zu Klimathemen
  • Nur bei 10% aller in Filmen dargestellten Extremwetterereignisse und Katastrophen wird ein Bezug hergestellt zu ihrer eigentlichen Ursache, der Klimakrise
  • 50% des Publikums wünschen sich mehr Storylines mit Klimabezug in Film und Fernsehen
  • Weite Teile des Publikums finden ihre Zukunftssorgen nicht in den Charakteren auf der Leinwand wieder

Diese Weigerung, die bestehende Realität abzubilden, führt zu einer zunehmenden Entfremdung des Films und des Fernsehens von der Lebenswelt des Publikums. Das nimmt unseren Geschichten viel Kraft.

Das Klima miterzählen liegt also im künstlerischen und im wirtschaftlichen Interesse einer Industrie, die darauf angewiesen ist, ihre Zielgruppe mit authentischen, nahbaren Figuren und Narrativen zu erreichen. 

Aber nicht nur das: Es liegt auch in unserer Verantwortung als Geschichtenerzähler, die Macht und Reichweite guter, fesselnder, relevanter Erzählungen einzusetzen, um unseren Beitrag zur Transformation zu leisten. Denn der Film als Medium hat eine große gesellschaftliche Wirkmacht. Er kann mit den Bildern, die er produziert, besser als jeder Faktenbericht Dinge vorstellbar und fühlbar machen, für die den Menschen bisher die Vorstellungskraft fehlt – Vorstellungskraft, die wir bitter nötig haben.

Indem wir Lösungen ins Spiel bringen und positive Szenarien erzählen, indem wir das „Wofür“ statt das „Wogegen“ aufzeigen, indem wir  Sehnsuchts- statt Angstgeschichten erschaffen, können wir den Zuschauer aus der gefühlten individuellen Hilflosigkeit, die uns hemmt, herausführen in die kollektive Selbstwirksamkeit.

Diese Superpower, die wir als Filmschaffende haben, nämlich eine wirksame Geschichte zu erzählen, die viele Menschen erreicht und berührt, ist eine der größten Kräfte, die wir im Kampf gegen den Verlust unserer Lebensgrundlagen mobilisieren können.

Lorem Ipsium bumbum. Genesagaan.

Dr. Nicole Zabel-Wasmuth

Foto: (c) Jasper Ehrich
Foto: (c) Jasper Ehrich